Ein Hotel zu führen bedeutet, ständig für alles und jeden da zu sein. Für Gäste, Mitarbeiter, Lieferanten, Handwerker – und natürlich für all die kleinen Überraschungen, die sich grundsätzlich nicht an Bürozeiten halten. Viele Hoteliers sind deshalb irgendwann nicht mehr nur Unternehmer, sondern gleichzeitig Rezeptionist, Einkäufer, Personaler, Haustechniker und Problemlöser für alles.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie man noch mehr Aufgaben in einen ohnehin vollen Arbeitstag bekommt. Sondern welche Aufgaben der Hotelier überhaupt selbst erledigen muss. Oft helfen bessere Abläufe, moderne Systeme oder Mitarbeiter, die mehr Verantwortung übernehmen. Manchmal ist Outsourcing wirtschaftlicher. Und gelegentlich lohnt es sich sogar, auf Geschäft zu verzichten, das zwar Umsatz bringt, aber unverhältnismäßig viel Zeit und Arbeit kostet.
Genau darum geht es: Arbeit sinnvoll organisieren, wirtschaftlich klug entscheiden und wieder Freiraum schaffen – für die Entwicklung des Hotels, für die Mitarbeiter und auch für sich selbst. Mehr Zeit entsteht nicht durch schnelleres Arbeiten, sondern dadurch,
nicht mehr alles selbst machen zu müssen.
In vielen Privathotels haben sich über Jahre Aufgaben angesammelt, die irgendwann selbstverständlich zur Chefsache wurden. Einkauf, Dienstpläne, Personalfragen, Handwerker und Lieferanten – alles landet auf dem Schreibtisch der Inhaber. Der Betrieb funktioniert, aber der Preis dafür ist hoch: Immer weniger Zeit für die wirklich wichtigen Aufgaben.
Deshalb lohnt es sich, gewachsene Abläufe kritisch zu hinterfragen. Welche Tätigkeiten müssen tatsächlich im eigenen Haus erledigt werden? Was können Mitarbeiter eigenverantwortlich übernehmen? Wo können externe Dienstleister entlasten? Und welche Aufgaben erledigt man eigentlich nur deshalb selbst, weil es schon immer so war?
Manchmal liegt die Lösung in einer besseren Organisation, manchmal in einer veränderten Aufgabenverteilung oder im Auslagern einzelner Leistungen. Entscheidend ist nicht, möglichst viel abzugeben, sondern die vorhandene Zeit sinnvoller einzusetzen.
Denn ein Hotelier muss nicht überall selbst mitarbeiten. Seine wichtigste Aufgabe ist es, das Unternehmen zu führen – nicht jede einzelne Arbeit darin zu erledigen.
Aus der Praxis: MITTELHESSEN
Weniger selbst erledigen. Mehr Zeit zum Führen.
In einem Hotel in Mittelhessen gab es gleich mehrere Baustellen. Die Belegung war niedrig, die wirtschaftlichen Ergebnisse unbefriedigend und viele Abläufe hatten sich über Jahre eingespielt. Die Inhaber waren stark ins Tagesgeschäft eingebunden. Neben der Umsatzsteigerung stand deshalb auch die Frage im Raum, wie sich der Betrieb einfacher und effizienter organisieren ließ.
Wir überprüften nicht nur die Zimmerpreise und Vertriebswege, sondern auch die täglichen Arbeitsabläufe. Welche Aufgaben mussten tatsächlich im Hotel erledigt werden? Wo entstanden unnötige Kosten und Zeitverluste? Und welche Arbeiten konnten externe Dienstleister besser übernehmen?
Ein wichtiger Schritt war die Neuorganisation der Wäscheversorgung. Statt die Hotelwäsche weiterhin selbst zu bearbeiten, wurde diese Aufgabe ausgelagert. Auch den Einkauf und weitere Abläufe nahmen wir unter die Lupe. Das Ergebnis: klarere Strukturen, weniger Aufwand und mehr Zeit für die Hotelführung.
Die Veränderungen waren Teil einer umfassenden Neuausrichtung des Hauses. Doch gerade die organisatorischen Maßnahmen zeigten, dass wirtschaftlicher Fortschritt nicht allein durch höhere Umsätze entsteht. Wer zeitraubende Aufgaben sinnvoll abgibt, gewinnt Freiraum für die Führung seines Hotels.
Nicht jede Leistung, die ein Hotel seinen Gästen anbietet, muss auch von den eigenen Mitarbeitern erbracht werden. Entscheidend ist, wer eine Aufgabe wirtschaftlich und zuverlässig am besten erledigen kann.
Das kann ein Caterer sein, eine externe Wäscherei, eine Reinigungsgesellschaft oder ein Dienstleister, der Aufgaben übernimmt, die im eigenen Betrieb viel Zeit und Organisation binden. Dabei geht es nicht darum, Verantwortung abzugeben. Im Gegenteil: Es geht darum, Verantwortung dort zu übernehmen, wo sie für das eigene Unternehmen wirklich wichtig ist.
Denn die Zeit eines Hoteliers ist ebenfalls eine betriebliche Ressource. Und wahrscheinlich eine der knappsten überhaupt. Wer nicht mehr überall selbst gebraucht wird, gewinnt Zeit für das, was niemand anderes übernehmen kann: sein Hotel zu führen und weiterzuentwickeln.
Mehr Umsatz klingt zunächst immer nach einem guten Ziel. Schließlich lebt ein Hotel davon, Zimmer zu verkaufen und Gäste zu bewirten. Doch nicht jeder Umsatz trägt gleichermaßen zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Manchmal verursachen wenige zusätzliche Gäste einen Aufwand, der in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag steht.
Gerade in kleineren Privathotels wird das deutlich. Für wenige Gäste muss das gesamte Frühstück vorbereitet werden, die Rezeption bleibt wegen einzelner Spätanreisen besetzt und betriebliche Abläufe werden unnötig verlängert. Am Ende steht ein Umsatz, der mehr Arbeit als Gewinn bringt.
Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Welche Gäste und Angebote rechnen sich wirklich? Und wo wäre es wirtschaftlich sinnvoller, auf einen Teil des Umsatzes zu verzichten? Denn ein belegtes Zimmer ist nicht automatisch ein gutes Geschäft.
Wer seine Abläufe und Kosten kennt, kann solche Entscheidungen bewusst treffen. Das schafft nicht nur wirtschaftlich sinnvollere Strukturen, sondern auch mehr Freiraum für den Hotelier. Manchmal beginnt unternehmerische Freiheit mit einem gut begründeten Nein.
Aus der Praxis: ODENWALD
Mehr Zimmerumsatz war der Auftrag. Mehr Zeit das bessere Ergebnis.
Eigentlich war der Auftrag eindeutig: Der Zimmerumsatz eines Hotels im Odenwald sollte steigen. Doch schon in den ersten Gesprächen zeigte sich ein anderes Problem. Die Hotelchefin war durch den täglichen Betrieb stark eingebunden und hatte kaum Zeit für sich. Das ländlich gelegene Haus lebte überwiegend von Seminaren und Busreisegruppen. Hinzu kamen einige wenige Geschäftsreisende.
Gerade diese wenigen Gäste verursachten erstaunlich viel Arbeit. An Tagen ohne Gruppen wurde morgens für zwei oder drei Personen das komplette Frühstück vorbereitet. Abends wartete man auf einzelne Spätanreisen. Wir rechneten nach, was von diesen Übernachtungen nach Abzug der Kosten und des zusätzlichen Aufwands tatsächlich übrig blieb. Das Ergebnis brachte uns auf eine ungewöhnliche Idee: Auf diese Gäste konnten wir verzichten.
An Tagen ohne Seminare oder Reisegruppen schlossen wir die Buchungskanäle für einzelne Geschäftsreisende. Gleichzeitig konzentrierten wir die Akquise auf Gästegruppen, die wirtschaftlich besser zum Hotel passten. So verzichtete das Haus bewusst auf einen Teil des möglichen Umsatzes und gewann dafür etwas mindestens ebenso Wertvolles: mehr persönliche Freiheit.
Einige Monate später erreichte mich eine Postkarte der beiden Hotelinhaber. Sie machten drei Wochen Urlaub auf Kuba. Manchmal ist das schönste Ergebnis einer Beratung eben keine höhere Umsatzzahl, sondern die Zeit, das Leben wieder zu genießen.
Viele Hoteliers haben ihren Betrieb mit eigenen Händen aufgebaut. Sie kennen jeden Winkel, jeden Arbeitsablauf und springen dort ein, wo Hilfe gebraucht wird. Was anfangs eine große Stärke ist, kann mit den Jahren zur Belastung werden. Denn wer überall gebraucht wird, findet kaum noch Zeit für die Zukunft seines Hotels.
Dabei entsteht unternehmerische Freiheit nicht unbedingt dadurch, dass ein Betrieb kleiner wird. Manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn Aufgaben gebündelt, Mitarbeiter gezielt eingesetzt und Abläufe sinnvoll organisiert werden, können sogar mehrere Hotels effizienter geführt werden als ein einzelnes Haus ohne klare Strukturen.
Gemeinsamer Vertrieb, eine übergreifende Personalplanung und die Nutzung vorhandener Ressourcen schaffen wirtschaftliche Vorteile. Vor allem aber ermöglichen sie dem Unternehmer, Verantwortung abzugeben und sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, die wirklich seine Aufmerksamkeit brauchen.
Am Ende geht es nicht darum, möglichst viel selbst zu erledigen. Entscheidend ist ein Unternehmen, das auch ohne die ständige Anwesenheit des Chefs funktioniert.
Aus der Praxis: JADEBUSEN
Früher stand er am Herd. Heute führt er eine Hotelgruppe.
Ein junger Koch übernahm ein Hotel am Jadebusen und machte sich mit großer Begeisterung an die Arbeit. Er investierte kräftig in neue Zimmer, einen modernen Frühstücksraum und gemütliche Aufenthaltsbereiche. Mit einer neuen Ratenstrategie und einem überarbeiteten Auftritt auf den Buchungsportalen ließen sich schon bald deutliche Umsatzzuwächse erzielen. Doch das sollte noch nicht alles sein.
Als das benachbarte Hotel schloss, erkannte er seine Chance. Die Bank unterstützte das Vorhaben, wir entwickelten ein neues Konzept und die Handwerker rückten erneut an. Durch die unmittelbare Nähe der beiden Häuser konnten wir Personal, Organisation und betriebliche Abläufe sinnvoll miteinander verbinden. Das zweite Hotel wurde schnell wirtschaftlich erfolgreich. Gut ein Jahr später kam ein drittes, kleineres Haus hinzu, das ebenfalls ein eigenes Konzept erhielt und in die kleine Hotelgruppe integriert wurde.
Das Prinzip erinnerte mich an die sogenannte „Politique de Place“ der ACCOR-Hotels der 90er Jahre: Mehrere Hotels an einem Standort, die durch gemeinsamen Vertrieb, gebündelte Aufgaben und eine effiziente Personalorganisation voneinander profitieren. Statt jedes Haus als eigenständigen Betrieb mit allen Strukturen zu führen, entstanden Synergien, die Kosten senkten und den Unternehmer entlasteten.
Heute steht der ehemalige Koch schon lange nicht mehr selbst am Herd. Und längst betreibt er auch nicht mehr all seine Hotels persönlich. Aus einem strebsamen Mitarbeiter in der Küche wurde ein vorblidlicher Unternehmer, der sich mit klaren Strukturen finanzielle und zeitliche Freiräume schaffte.
Zeitfresser erkennen & Abläufe vereinfachen
Aufgaben sinnvoll verteilen & externe Partner nutzen
Freiraum für Führung & Unternehmensentwicklung schaffen
Volker Mohr
Bergstraße 3a
56462 Höhn
Kontakt:
Telefon: +49 (0) 2661 949 116
Mobil: +49 (0) 160 97747106
E-Mail: info@hotelumsatz.de